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Aussagekraft von Kottests: Selbstversuch mit überraschendem Ergebnis

Kottests gehören mittlerweile fast zum Standard, wenn Hunde unter Verdauungsproblemen, Allergien oder anderen chronischen Beschwerden leiden. Überspitzt könnte man auch sagen: Egal, welches Problem ein Hund hat – am Ende landet man immer beim Darm. Dazu machen Kottests Sinn, um den vermeintlichen Ist-Zustand zu erfassen. Die Tests sind einfach: Kot lässt sich unkompliziert sammeln, verschicken und scheinbar auf unzählige Parameter untersuchen.

Doch wie aussagekräftig sind diese Ergebnisse wirklich? Genau dieser Frage wollte ich auf den Grund gehen – mit meiner eigenen Hündin Erna.

Der Selbstversuch

Die Ausgangssituation war nahezu ideal: Erna war gesund, hatte seit Monaten eine gute Verdauung, einen unauffälligen Kotabsatz und keinerlei Beschwerden. Ich hatte zudem im Vorfeld schon den Kot negativ auf Würmer und Giardien testen lassen. Mich interessierte nun eine einfache Frage, die durch meinen Arbeitsalltag mit Kottests immer wichtiger geworden war:

Wie vergleichbar sind eigentlich die Untersuchungsergebnisse verschiedener Labore?

Um möglichst gleiche Bedingungen zu schaffen, habe ich den Kot direkt beim Absetzen mit einem Handschuh aufgefangen, um Verunreinigungen aus der Umwelt zu vermeiden. Verwendet wurde der Mittelteil eines gut geformten Kotes. Anschließend habe ich die Probe zerteilt und jeweils gegenüberliegende Stücke an zwei verschiedene Labore geschickt. Die Labore nenne ich bewusst nicht namentlich, da es mir nicht darum geht, einzelne Anbieter zu bewerten oder miteinander zu vergleichen.

Beide Labore sollten dieselben Parameter untersuchen:

  • Salmonellen
  • Milchsäurebakterien, Escherichia coli und Enterokokken
  • Zonulin
  • Gallensäuren
  • Pankreatische Elastase
  • Sekretorisches IgA
  • Mikroskopische Nahrungsausnutzung
  • Alpha-1-Antitrypsin

Wichtig: Meine Hündin war gesund. Normalerweise würde ich eine derart umfangreiche Untersuchung bei einem beschwerdefreien Hund nicht empfehlen. Der Test diente ausschließlich diesem Selbstversuch. Die Kosten lagen bei etwa 319 Euro in Labor A und 315 Euro in Labor B.

Überraschende Ergebnisse: die 3 deutlichsten Unterschiede

Das Überraschende war nicht, dass Unterschiede auftraten. Das Überraschende war, wie groß diese Unterschiede waren. Bei mehreren funktionellen Darmparametern erhielt ich teilweise massiv voneinander abweichende Ergebnisse.

Zonulin

Zonulin wird häufig genutzt, um Hinweise auf eine erhöhte Darmdurchlässigkeit ("Leaky Gut") zu erhalten. Gerade bei Hunden sehe ich regelmäßig Befunde, bei denen allein aufgrund eines erhöhten Zonulinwertes bereits eine Diagnose gestellt wird. Dabei kann ein erhöhter Zonulinwert verschiedene Ursachen haben und sollte niemals isoliert betrachtet werden.

Gallensäuren

Gallensäuren spielen eine wichtige Rolle bei der Fettverdauung. Werden größere Mengen über den Kot ausgeschieden, kann dies unter anderem mit schleimigem, breiigem oder durchfallartigem Kot in Zusammenhang stehen.

Pankreatische Elastase

Die pankreatische Elastase kann Hinweise auf die Enzymproduktion der Bauchspeicheldrüse liefern.

ParameterLabor ALabor B
Zonulin380 (alles fein)    >800 (erhöht)
Gallensäuren0,85 (alles fein)     31,0 (deutlich erhöht)
Pankreatische Elastase     59,78 (zu niedrig)     >180 (alles fein)

Wir sehen hier nicht nur kleine Abweichungen, sondern teilweise völlig unterschiedliche Befunde. Und genau das ist der entscheidende Punkt:

Hätte ich ausschließlich das Ergebnis von Labor A erhalten, würde ich meine Hündin vermutlich anders unterstützen als auf Grundlage des Befundes von Labor B. Und genau das hat mich nachdenklich gemacht, denn in der Praxis liegt meist nur ein einziger Laborbefund vor, der schnell als “die Wahrheit” betrachtet wird. Nicht selten wird dann eher der Befund als der Hund therapiert.

Es gab auch Übereinstimmungen

Neben den Unterschieden gab es auch Übereinstimmungen. So wurden beispielsweise in beiden Laboren dieselben Salmonellen nachgewiesen, obwohl Erna keine Symptome hatte. Das zeigt zumindest, dass bei bestimmten Erregernachweisen die Diagnostik recht sicher ist.

Was bedeuten diese Unterschiede?

Zunächst einmal bedeutet das nicht, dass eines der Labore falsch gearbeitet hat. Ich habe mit beiden Laboren Kontakt aufgenommen. Während Labor A sehr kooperativ war und wir lange über die unterschiedlichen Befunde gefachsimpelt haben, erhielt ich von Labor B deutlich weniger Feedback. Kot ist kein homogener Stoff. Selbst innerhalb derselben Probe können Unterschiede bestehen. Hinzu kommen verschiedene Untersuchungsmethoden, Referenzbereiche und Auswertungsverfahren. Trotzdem zeigt dieser Versuch sehr deutlich:

Ein Kottest ist kein exaktes Messinstrument, das immer dieselbe Antwort liefert.

Wo Kottests aus meiner Sicht sehr wertvoll sind

Kottests haben absolut ihre Berechtigung. Besonders hilfreich sind sie beispielsweise beim Nachweis von:

  • Würmern, Giardien, Salmonellen
  • Clostridium-Toxine
  • weiteren Krankheitserregern

Hier können Laboruntersuchungen wichtige Hinweise liefern und helfen, gezielt weiter vorzugehen. Auch die von mir getesteten Werte würde ich nach wie vor weiterhin nutzen, aber nach eingehender Anamnese.

Wo ich kritischer geworden bin

In den letzten Jahren ist rund um das Thema Darmgesundheit ein riesiger Markt entstanden. Oft wird dabei nach dem Prinzip gearbeitet: “Dieses Bakterium fehlt – also geben wir es dazu.” Oder: “Dieser Wert ist erhöht – also muss genau dieser Wert behandelt werden.” So einfach funktioniert der Darm jedoch nicht. Das Mikrobiom ist ein hochkomplexes Ökosystem. Viele Zusammenhänge sind bis heute nicht vollständig verstanden. Gerade im veterinärmedizinischen Bereich stehen wir an vielen Stellen noch am Anfang. Im Humanbereich ist die Forschung teilweise bereits deutlich weiter. Deshalb bin ich vorsichtig geworden, wenn aus einzelnen Laborwerten weitreichende Therapieempfehlungen abgeleitet werden.

Mein Fazit

Kottests können sehr hilfreich sein. Sie sind jedoch nur ein Puzzleteil. Mein Selbstversuch hat mir mal wieder gezeigt:

Wir arbeiten mit Hunden und wir behandeln keine Laborwerte.

Genau deshalb werte ich Kottests niemals isoliert aus. Entscheidend ist nicht nur, was auf dem Laborbogen steht, sondern ob die Ergebnisse überhaupt zum Hund passen.

Für dich

Wenn du planst einen Kottest machen zu lassen, oder aber Unterstützung bei der Interpretation eines aktuellen Kottests benötigst: Melde dich und wir helfen dir. Wir schauen uns an, welche Werte wirklich relevant sind, helfen dir individuell und schauen dabei auf Symptome, Vorgeschichte, Fütterung und deinen gesamten Hund. 

Zur Spezial-Sprechstunde Darm 

Zum Thema Dysbiose-Index und warum ich diesen deutlich spannender finde als viele Einzelwerte, erscheint bald ein separater Blogbeitrag.