Die Mistel ist eine Pflanze, die als Halbschmarotzer auf verschiedenen Wirtsbäumen lebt (bspw. Apfelbaum, Eiche, Kiefer uvm.). Sie ernährt sich teils von den Bäumen und übernimmt dadurch einen Teil der wirtsspezifischen Pflanzenstoffe. Daher ist die Wahl der Mistel und ihres Wirtsbaumes im Kontext der Erkrankung wichtig. Ihre kugelige Form sieht man an Laubbäumen besonders im Winter, wenn das fehlende Laub die Mistelkugeln preisgibt. Sie können einen Durchmesser bis zu 70cm erreichen. Charakteristisch sind die gelbgrünen, ledrigen Blätter und die weißen Beeren, die im Winter erscheinen. Trotz der parasitären Lebensweise betreibt die Mistel selbst Fotosynthese. In der Mythologie und im Brauchtum gilt sie als mystische Pflanze mit besonderen Kräften. Sie wird seit über 100 Jahren im Humanbereich erforscht und seit über 20 Jahren im Veterinärbereich. Ihre spezifischen Wirkungen v.a. bei Tumorerkrankungen sind besonders auf die enthaltenen Lektine und Viscotoxine zurückzuführen.
Die Misteltherapie
Die Misteltherapie ist eine Form der Phytotherapie, die bei Hunden vor allem als komplementäres Verfahren im Zuge von Krebserkrankungen zum Einsatz kommen kann. Sie basiert auf Extrakten der Mistelpflanze, die meistens als Injektionen unter die Haut verabreicht werden, und muss individuell je nach Tumorerkrankung ausgewählt werden. Die Anwendung wird im Humanbereich von Krankenkassen übernommen.
In unserem Team bekommen derzeit zwei Hunde (Erna und Indy) die Mistel aufgrund von Tumorerkrankungen.
Was soll mit der Mistel erreicht werden?
Laut der Kommission E (selbstständige, wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel) wird die Mistel u.a. bei bös- und gutartigen Geschwulsterkrankungen eingesetzt. Sie hat dabei folgende Ziele:
- Stärkung des Immunsystems – die Extrakte sollen die Abwehrkräfte anregen
- Verbesserung und Erhalt der Lebensqualität
- Linderung von Nebenwirkungen als begleitende Maßnahme zu einer konventionellen Therapie und bei Tumorschmerzen
- Verlangsamung des Tumorwachstums bzw. Rezidivvorsorge
Einsatz bei Mensch und Hund
Im Humanbereich wird seit vielen Jahren an und mit der Mistel im klinischen Umfeld geforscht. Regelmäßig erscheint dazu bspw. das Buch “Die Mistel in der Tumortherapie – Aktueller Stand der Forschung und klinische Anwendung”. In der derzeit 6. Auflage berichten u.a. Ärzte und Kliniken wie die Charieté Berlin, das Universitätsklinikum Tübingen sowie niedergelassende Onkologen dazu. Die Mistel ist in der heutigen Zeit ein wesentlicher Bestandteil der integrativen Onkologie und erfährt auch im Veterinärbereich immer mehr Aufmerksamkeit und kann dort eingesetzt werden.
INFO
Wir sind in der Auswahl und dem Einsatz mit der Mistel im Rahmen von Tumorerkrankungen sehr gut ausgebildet und begleiten bereits viele Hunde. Uns ist es aber wichtig, dass die Unterstützung bei einer Tumorerkrankung immer individuell zu sehen ist und idealerweise in Absprache aller Beteiligten passiert – dazu gehört auch die behandelnde Tierarztpraxis. Um mögliche naturheilkundliche Maßnahmen für deinen Hund sowie deine Wünsche zu besprechen, kannst du gerne einen Termin zu Spezialsprechstunde “Unterstützung bei Krebs” vereinbaren. Die Empfehlung der Mistel kann hier genauso ein Thema sein wie die Ernährung und andere Maßnahmen.